Kritzelein

INFORMATION ZUR LEHRE IM WINTERSEMESTER 20/21

Die Lehre der Medienpädagogik/Bildungsinformatik wird im Wintersemester 20/21 ausschliesslich online stattfinden. Bitte melden Sie sich zu Lehrveranstaltungen via LSF an. Zugelassene Studierende erhalten dann Informationen per Mail.

STELLENAUSSCHREIBUNG

Eine studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskraft an der Abteilung Medienpädagogik/Bildungsinformatik zum 01.10.2020 oder später gesucht: 27 bzw. 30 Monatsstunden. Der Aufgabenbereich umfasst: Unterstützung in der Lehre und Forschung der Abteilung. Digitale Bewerbungen bitte mit Lebenslauf (ohne Lichtbild) an: Heidrun Allert per Mail.

THE POST-PANDEMIC UNIVERSITY, CONFERENCE, SEPTEMBER 18TH

Wie wird Hochschulbildung transformiert durch die gegenwärtige Pandemie? Welche Art von Universität wird aus der Krise entstehen - welche können wir erwarten - oder erhoffen? Wie können wir beginnen diese zu gestalten?  Diesen Fragen geht die Online Konferenz nach. Link: https://postpandemicuniversity.net/2020/09/02/the-post-pandemic-university-september-18th/ Das Projektteam Score (Heidrun Allert, Christine Bussian, Lars Arne Raffel, Norma Reichelt und Christoph Richter) tragen vor im Panel 1: Rethinking the University (9:00-10:15 BST) Teilnahme kostenlos via ZOOM. Registrierung erforderlich: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSeSshAuLbghCPWl1CzKcFTRFdN5ZDZmlgPIJgoaO4QddtiFIw/viewform

ÜBERLEGUNGEN

(August 2020). Nach einem Semester der online Lehre frage ich mich mehr und mehr, wie unsere Studierenden über Technologien sichtbar werden und in Erscheinung treten können. Diese Formen sind durch Designentscheidungen der spezifischen Tools mitbestimmt: Wie alle Beteiligen wahrnehmbar und adressierbar werden. Wo liegen die ästhetischen Grenzen der Form der Digitalisierung und Datafizierung, die jeweils implementiert wird? Digitalisierung ist keineswegs so widerspruchsfrei und einheitlich wie sie oft dargestellt wird.

Meine Sorge ist, dass Studium bzw. Studieren unsichtbar wird. Dass zwei Semester der online Lehre performativ wirken weit über die Lehrveranstaltungen hinaus. Ist Studieren eine Lebenphase? Eine Veränderung des eigenen in-der-Welt-Seins mit allen sozialen, epistemischen und pragmatischen Aspekten? Oder sprechen wir ausschliesslich von online Lehrveranstaltungen? Werden diese so flexibel und mobil, dass es Studierenden überlassen bleibt, wie sie diese in einen Alltag integrieren, der zunehmend durch andere Anforderungen strukturiert wird? Wird Studieren flexibel und gleichzeitig unsichtbar? 

(März 2020)

Eine Ausnahmesituation (vgl. Agamben) kann kein Gradmesser für die richtige Digitalisierung von Schulen und Hochschulen sein. Deshalb ist die Frage, ob Schulen und Hochschulen nun richtig vorbereitet sind für "die Digitalisierung" keine geeignete Frage. Diese Frage impliziert unausgesprochen, dass es EINE Form von Digitalisierung gibt und dass sie widerspruchsfrei sei. Und dass die derzeitige Situation die sei, auf die wir uns selbstverständlich und richtigerweise hätten vorbereiten müssen - eine Homeschooling Situation (und nicht etwa eine, die die alltägliche Interaktion im Klassenzimmer mittels Technologien bereichert). 

Die Technologien haben sich in den letzten Wochen nicht verändert. Wir müssen uns die gleichen Fragen stellen wie zuvor bezüglich Datenschutz, Governance, Regulierung und insbesondere der Formen des Lernens und der Interaktion, die wir damit unterstützen möchten. Und mit Morozov (2013): „The reason the digital debate feels so empty and toothless is simple: [it is] framed as a debate over ‘the digital’ rather than ‘the political’ and ‘the economic’.“ Wir müssen uns fragen, wie viel Governance- und Marktstrukturen wir in Schule und Hochschule haben möchten. Ob der Einsatz digitaler Technologien (oder Homeschooling) Ungleichheit ausbaut oder reduziert - ob Lernen so wieder stärker von der eigenen Herkunft abhängt. 

Es gibt nicht DIE Digitalisierung, sondern unterschiedliche Technolgien, digitale Wissenspraktiken und Formen digitaler Beteiligung und Bildungskonzepte.

Kurz: digital / nicht-digital ist nicht mehr die entscheidende Differenzierung. Sondern: welche Formen von Bildung, Lernen und digitalen Daten- und Wissenspraktiken wünschen wir uns? Und welche nicht? Eine emazipative oder eine anpassende? Wird auch die subversive und kreative Nutzung von datenbasierten Tools in Schule und Hochschule erlaubt und begrüsst? Oder müssen Lernende einem Softwaresystem folgen, das Daten in hoher Dichte über ihr Verhalten und medizinische Kennwerte (z.B. Herzfrequenzvariabilität) generiert, speichert und analysiert sowie Verhalten vorhersagt? Oder beteiligen wir SchülerInnen und Studierende selbst an der Auswertung grosser Datenmengen (open data), weil dies eine der Wissensformen der Zukunft ist? Vermitteln wir ihnen Wissen und Wissensstrukturen als gegeben oder als dynamisch? Ermöglichen wir, das Einfache, das Banale, das Grundlegende zu hinterfragen und die Genese von Wissen nachzuvollziehen? Orientieren wir uns an ihren Fragen und ihrer Kritikfähigkeit- und -bereitschaft? Behandeln wir Digitalsierung, Künstliche Intelligenz, 'Cultural Analytics' (Manovich, 2009), 'computational society' mit ihnen gemeinsam als epochaltypisches Schlüsselproblem? Arbeiten wir gemeinsam mit ihnen in Praktiken der Wissensgenerierung die anerkennen, dass wir uns in einem Zustand der kontinuierlichen Transformation von Welt befinden? Erlauben wir ihnen gemeinsam Fragen zu stellen, Daten zu sammeln, Forschungsdesigns zu entwickeln und Antworten zu finden?

Gibt es gute Online Tools für die Zusammenarbeit von Gruppen? So einfach ist es nicht. Lerngruppen oder Arbeitsgruppen? Strukturierte Abläufe oder unstrukturierte? Für Forschungsprozesse oder Entwicklungsprozesse? Zur gemeinsamen Arbeit an Daten und kollabrativen Entwicklung von Datenschemata? Kommerziell oder open source? Natürlich gibt es eine Vielzahl an Tools, die eine Vielzahl an online-basierten Wissenspraktiken unterstützen. Einige Tools wie FLE3 oder Visual Learning Environment sind in Forschungsprozessen entstanden, wurden jedoch nicht weiterentwickelt.

Universitäten waren sehr früh an der Netzwentwicklung, dem ARPANET und dem WWW beteiligt. Sie müssen nicht jetzt endlich digitalisieren, sondern haben die Digitalisierung mitentwickelt. Forschung ist heute hoch vernetzt und Wissenspratiken werden kontinierlich im Netz entwickelt. Lehre und Forschung haben sich entkoppelt. Das verweist auf ein strukturelle Fragen. Nicht auf fehlende Kompetenz Lehrender, die auch Forschene sind.

In der Covid19 Krise stellt sich auch die Frage des (Un)Gleichgewichts bzw. Spannungsverhältnisses von Demokratie und digitalem Kapitalismus / Plattformökonomie. Einige Entwicklungslinien des Netzes sind zutiefst mit der Entwicklung der "New Economy" und einem forcierten Individualismus verwoben (vgl. Turner, 2016; Allert, 2019). Apps und Social Media addressieren das Individuum. Multinationale Konzerne der Plattformökonomie treten auf mit der Idee, öffentliche Aufgaben besser erledigen zu können als Demokratien. Datafizierung und Automatisierung machen diese Entwicklungen virulenter. Zunehmend werden Aufgaben automatisiert, bleiben damit aber nicht die gleichen, sondern verändern sich. Deshalb ist die Frage der Digitalisierung an öffentlichen Bildungseinrichtungen keine einfachere geworden. 

Mein Team sieht Digitalisierung der Lehre nicht als Broadcasting und Transport von Inhalten in neuen Schläuchen, sondern freut sich auf offene Prozesse des Forschens mit den Studierenden. Wir lernen derzeit viel. Wahrscheinlich ist das überhaupt die Kompetenz und Bildung der Zukunft: verantwortlich Handeln wenn alles offen bleibt ..., und Demokratie unter Unbestimmtheit zu leben.

Heidrun Allert, 22.03.2020

PS (1): Wissenschaftliche Lehre lebt vom Widerspruch der jüngeren Generation (ich glaube das ist von Schleiermacher). Wir möchten in den Vorlesungen gemeinsam nachdenken dürfen

PS (2): https://www.youtube.com/watch?v=nvEFkckDa7E

 

Allert, H. (2019). Plattformökonomie und Entstaatlichung: familienorientiert, ortsunabhängig und #freilernend. In Digitalisierung – Subjekt – Bildung. Kritische Betrachtungen der digitalen Transformation. Publisher: Barbara Budrich DOI: 10.2307/j.ctvvb7n3h.13
(auf ResearchGate)

Manovich, L. (2009). Cultural Analytics: Visualizing Cultural Patterns in the Era of "More Media." In: Domus (March 2009).

Turner, F. (2006): From Counterculture to Cyberculture. Stewart Brand, the Whole Earth  Network,  and  the  Rise  of  Digital  Utopianism.  Chicago:  The  University  of Chicago Press. 

INFORMATION ZUR LEHRE IM SOMMERSEMESTER 2020

Die Lehrveranstaltungen der Medienpädagogik im Sommersemester 2020 finden bis auf Weiteres in Form der Online-Lehre statt.

Posting-Spender gesucht!

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Klar, Social-Media-Postings gibt es wie Sand am Meer… aber von Sand und Meer können wir einfach nicht genug bekommen! Im Onlinelabor hast du die Chance, deine eigene, digitale Welt zu zeigen und darüber zu diskutieren. Experimentiere mit den Möglichkeiten von Snapchat, TikTok, WhatsApp und Co., teile deine Postings und diskutiere mit uns über Influencing, den Einfluss von Algorithmen oder Freundschaften in sozialen Medien. Du hast noch mehr drauf? Dann werde Onlinelaborant*in und leiste deinen Beitrag zur Forschung. Ein Projekt der Abteilung für Medienpädagogik/Bildungsinformatik in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut. www.digitalekultur.online

 

Berufswahl - "Wir sollten machen, was wir können"

... und nicht unbedingt das, was uns interessiert. Psychologe Aljoscha Neubauer erklärt, warum Talente und Interessen oft erstaunlich weit auseinanderliegen - ohne dass wir es merken. Link zum Artikel bei der SZ

Quick and Tiny: Studentische Forschungsförderung

Mit dem Quick and Tiny Projekt sollen Studierende aus allen Forschungsbereichen der Universität angesprochen werden. Ziel des Programms, wird sein, Studierenden der CAU ein ebenso vielfältiges Maß an Förderbedarfen und Fördermöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, damit diese selbstständig Forschungsprojekte initiieren und durchführen können.

Weitere Informationen

Projektstart des „Onlinelabors für Digitale Kulturelle Bildung“

„[W]ir sind Wesen, zu deren auffälligsten Eigentümlichkeiten es gehört, sich selbst und ihr Weltverhältnis explizit machen zu müssen“ (Jung 2005) 
Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

(CC0 License https://static.pexels.com/photos/80673/self-portrait-auto-iphone-80673.jpeg

Am 1. Oktober 2017 hat das BMBF-geförderte Projekt Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung in der Abteilung für Medienpädagogik/Bildungsinformatik die Arbeit aufgenommen. Das Projekt, das in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut durchgeführt wird, befasst sich mit der qualitativen Erforschung menschlicher Artikulation in digitalen Medien. Ziel des Projekts ist es zunächst, Prozesse und Formen der Identitätsbildung der ästhetischen Artikulation in sozialen Medien sichtbar zu machen. Im Anschluss an die Erhebung erfolgt eine Analyse vor dem Hintergrund individueller Bildungspfade, kultureller Kodierungen und den jeweiligen technisch/medialen Strukturen. Das Projekt wendet sich an NutzerInnen sozialer Medien aus verschiedenen Altersgruppen und bezieht sie im Rahmen regionaler Forschungswerkstätten und überregionaler Forschungsimpulse aktiv in den Forschungsprozess mit ein. In einem partizipativen Online-Labor gibt das Projekt BürgerInnen außerdem die Möglichkeit, eigene digitale Artikulationsformen zu erforschen und sie in Form eines offenen Archivs für Dritte zugänglich zu machen.

Neuerscheinung: Digitalität und Selbst. Interdisziplinäre Perspektiven auf Subjektivierungs- und Bildungsprozesse

Zwei Studenten und eine Tasse KaffeeIm November 2017 erscheint der Sammelband »Digitalität und Selbst«, herausgegeben von Heidrun Allert, Michael Asmussen und Christoph     Richter und mit Beiträgen von Karl Heinz Hörning, Kurt Röttgers, Heidrun Allert & Michael Asmussen, Jürgen Gunia, Felicitas MacGilchrist, Karolin Eva Kappler, Daniel Rode, Emanuele Bardone und Christoph Richter & Heidrun Allert.

Der Sammelband diskutiert Fragen der Subjektivierung, des Sozialen, der Unbestimmtheit und des Ontologischen im Angesicht der Digitalisierung und Algorithmisierung der Gesellschaft. In diesem interdisziplinär angelegten Projekt werden zum einen die Verstrickungen von Mensch, digitaler Technik und Gesellschaft im Rahmen von Prozessen des Lernens und der (Selbst-)Bildung rekonstruiert. Die Beiträge zeigen zum anderen theoretische Zugänge auf, die es ermöglichen, Eigensinn, Widerständigkeit und kreatives Andershandeln innerhalb der relationalen Verstrickungen zu verorten und damit neue Zugänge für das Verständnis von Bildung und Subjektivierung in einer digitalen Kultur zu eröffnen.

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Künstliche Intelligenz: Unbestimmte Gegenwart und Zukunft

Während Praktiken digitaler Kultur, und somit Wirklichkeit, laufend neu erzeugt werden, schreiben instrumentelle Sichtweisen auf digitale Medien in der Bildung Bestehendes fest. Die Erwartungen an Künstliche Intelligenz in der Bildung sind hoch, u.a. Individualisierung, Objektivierung und Bildung für alle. Die Praktiken in Bildungsinstitutionen und die Praktiken digitaler Kultur fallen jedoch immer weiter auseinander.

Abstract zum Vortrag am 24. November: Campus Innovation Hamburg, Konferenz 2017 (Heidrun Allert)

Ist Kreativität eine menschliche Fähigkeit, die Künstliche Intelligenz (KI) nie leisten kann? In Gegenwart Künstlicher Intelligenz stellen wir uns zunehmend die Frage, was Menschsein eigentlich ausmacht. Gleichzeitig basiert die Frage auf zwei Annahmen. Erstens: KI sei ein handelndes Gegenüber, das wir erkennen können und das uns ersetzen und objektivieren kann. Zweitens: Kreativität sei eine Fähigkeit, die wir bestimmen und festschreiben können. Beides müssen wir hinterfragen. Trotzdem lautet eine typische Frage an die Bildungsforschung: Welche Fähigkeiten müssen wir vermitteln in einer Welt in der KI eine zunehmende Rolle spielt? Gleichzeitig ist die Bestimmung der Fähigkeiten schon Teil der Denkweise, die Künstlicher Intelligenz zugrunde liegt. Am Beispiel der Kreativität: Sie ist angewiesen ist auf Freiräume, freies Spiel und Unbestimmtheit, soll jedoch bestimmbar und messbar gemacht werden. Diese Denkweise ist älter ist als die Technologien selbst und zieht sich in unser Bildungssystem. Sie lässt sich am Beispiel von Standardisierungsinitiativen aufzeigen. Künstliche Intelligenz operiert auf der Bestimmung des Bestehenden, während Wirklichkeit unbestimmt und (digitale) Praktiken performativ sind. Während Praktiken der Kritik, des Politik Machens, des Publizierens, des Informierens und Kommunizierens (und viele andere) in digitaler Kultur stetig und unvorhersehbar transformiert werden, klammern Bildungsinstitutionen Unbestimmtheit zunehmend aus. Während Lernprozesse des Individuums gesteuert und getrackt werden können, das Selbststudium definiert, bestimmt und mit ECTS Punkten vergütet werden soll, bleiben uns die tatsächlichen Praktiken der Studierenden und nachwachsenden Generation verborgen. Grundlegende Fragen aber, die wir nicht an die Technologie abgeben können, werden drängender. Das ist bereits die Frage, wie wir kollaboratives und forschendes Lernen bewerten wollen. Bildung muss zunehmend zum Umgang mit Unbestimmtheit befähigen.