Entwicklungslinien digitaler Kultur, digitale Kulturtechniken und Wissenspraktiken

Gefördert aus Mitteln des Strategie- und Exzellenzbudgets des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (MBWK) in Schleswig-Holstein als Teilprojekt des Gesamtprojektes »Grundkompetenzen und Perspektiven für Lehr-, Lernprozesse im Zeitalter digitaler Transformationen«. Laufzeit des Teilprojekts: 01.01.2021 – 31.09.2024.

Ziel des Gesamtvorhabens ist es, (angehende) Lehrkräfte in verschiedenen Handlungskontexten des digitalen Wandels zu unterstützen. Damit ergänzt das Gesamtprojekt inhaltlich das Projekt »OLAD@SH-Offenes Lehramt digital in Schleswig-Holstein« aus der »Qualitätsoffensive Lehrerbildung« und ist damit vernetzt. Im Mittelpunkt des hier dargestellten Teilprojekts 2 »Entwicklungslinien digitaler Kultur, digitale Kulturtechniken und Wissenspraktiken« steht die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen der Digitalisierung als einem zentralen Bestandteil einer umfassenden und nachhaltigen Bildung. Zukünftige Lehrkräfte sollen in die Lage versetzt werden, sich gegenüber digitalen Transformationen zu positionieren, in dem sie hierzu geeignete Konzepte entwickeln, Veränderungswissen generieren und entsprechende Prozesse mitgestalten können. Ziel des Teilprojektes ist es angehenden Lehrkräften einen Weg in die Schulpraxis zu bahnen, der es ihnen ermöglicht die Potentiale der Digitalisierung für den Unterricht wie auch die grundlegenden Veränderungen in Alltag, Wissenschaft und Gesellschaft erkennen und für sich nutzen aber auch gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen kritisch hinterfragen und mitgestalten zu können.

Ausgangspunkt des Teilprojektes bildet die Konzeption der Digitalisierung als einem komplexen kulturellen Transformationsprozess. Es betont den Umstand, dass sich digitale Technologien als kulturelle Produkte verstehen lassen, die »tief in die ökonomischen, aber auch in die politischen und kulturellen Verhältnisse ein[greifen]«[1], in denen wir uns bewegen und die unsere Selbst- und Weltverhältnisse prägen. Das Teilprojekt erweitert damit den Blick von der Digitalisierung als didaktischer Ressource und pädagogischem Gegenstand hin zu den gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen, in die der individuelle und kollektive Umgang mit digitalen Technologien eingebettet ist.

Im Sinne eines ›epochaltypischen Schlüsselproblems‹[2] erfordert die Digitalisierung pädagogische Zugänge, die jenseits der Vermittlung informationstechnologischem Grundlagenwissens und technischen sowie medienpädagogischen Know-Hows, der Unbestimmtheit und Ergebnisoffenheit entsprechender Transformationsprozesse Rechnung tragen[3].

Um die angehenden Lehrkräfte an die mit der Digitalisierung einhergehenden sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragestellungen heranzuführen und sie in die Lage zu versetzen sich aktiv, mitgestaltend an ihrer Beantwortung zu beteiligen, stützt sich das Teilvorhaben auf Ansätze des forschenden Lernens. Neben der Identifikation relevanter Themen und Fragestellungen, die als Ausgangspunkte einer forschenden Auseinandersetzung dienen können und der methodischen Heranführung an Ansätze des forschenden Lernens, soll den Studierenden im Rahmen entsprechender Lehrangebote die Möglichkeit gegeben werden, sich in modernen Formen des digitalen (kollaborativen) Arbeitens und Lernens (›Wissenspraktiken‹) praktisch zu erproben.

Neben der Entwicklung und Erprobung einschlägiger Lehrveranstaltungskonzepte, werden im Rahmen des Teilvorhabens auch die methodischen und technischen Anforderungen an kollaborative und forschende Lernszenarien konkretisiert.

Wesentliche Aufgaben des Teilvorhabens umfassen:

  1. Identifikation und Kartierung relevanter Themen und Fragestellungen im Kontext einer kritischen digitalen Medienbildung (u.a. in Anschluss an Theorien digitaler Gesellschaft, Critical Data Studies, Radical Digital Citizenship, sozio-techno-ökonomische Systeme, Technikgenetischer Modelle)
  2. Didaktische Aufbereitung der identifizierten Themen für eine Grundlagenveranstaltung im Lehramtsstudium und Durchführung der Veranstaltung.
  3. Erarbeitung und Erprobung inhaltlicher und methodischer Materialien in modularisierter Form.
  4. Erprobung und Weiterentwicklung eines Konzeptes zur Heranführung von Studierenden an moderne Wissenspraktiken und Spezifikation von Anforderungen für eine Plattform.

 

Zum Team des Teilvorhabens gehören Prof. Dr. Heidrun Allert, Christoph Richter und Jamila Becker.

 

 

[1] Coy, W. (2008). Kulturen – nicht betreten? Anmerkungen zur ,,Kulturtechnik Informatik“. Informatik-Spektrum, 31(1), 30–34.

[2]Klafki, W. (1993). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik: Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. Weinheim: Beltz.

[3] Allert, H., & Asmussen, M. (2017). Bildung als produktive Verwicklung. In H. Allert, M. Asmussen, & C. Richter (Hrsg.), Digitalität und Selbst—Interdisziplinäre Perspektiven aus Subjektivierungs- und Bildungsprozesse (S. 27–69). Bielefeld: transcript.